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Vom Nullpunkt von Raum und Zeit bis in die Unendlichkeiten des Weltalls

Die Video-, Licht- und Soundinstallationen von österreichischen Künstlerinnen und Künstlern machen die Unendlichkeit des Weltalls und die gigantischen Zeithorizonte auf völlig konträre, sinnliche Weise erfahrbar. Daneben sind auch künstlerische Arbeiten von Kunstschaffenden des art@CMS Projekts am CERN zu sehen, die vom CMS-Experiment inspiriert wurden und eine direkte Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst schaffen.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung:

- Barbara Imhof/ Damjan Minovski/ Eva Schlegel: "Nebel im Kosmos". Für die Ausstellung entwickelten Künstlerin Eva Schlegel, Architekt Damjan Minovski und Weltraumarchitektin und -forscherin Barbara Imhof eine begehbare Rauminstallation, die das sonst Unsichtbare visuell erfahrbar macht.
- Manfred Wakolbinger: "Galaxies". Das Meer von Sulawesi - Manfred Wakolbinger sieht auf seinem nächtlichen Tauchgang zunächst nichts als Plankton und undurchdringliche Dunkelheit. Doch plötzlich erschein ein leuchtendes Gebilde, wie eine Galaxie. Aus Fotografien dieser Begegnungen enstanden die Filme Galaxies 1-4.
- Brigitte Kowanz: "Der Nullpunkt von Raum und Zeit". Brigitte Kowanz thematisiert den Urknall als komplexe Ausdehnung von Raum und Zeit. Spiegel und Zweiwegspiegel sowie Neon-, Argon- und Xenon-Röhren bilden in ihrem Wechselspiel eine sich öffnende virtuelle Unendlichkeit.
- Hofstetter Kurt: Hofstetter Kurts lentikulares Objekt "Susys Fingerprint" visualisiert die Theoroie der Supersymmetrie mit der Methode der induktiven Rotation. Durch die wiederholte Anwendung der Regel auf die quadratische Ausgangsfigur von vier Elementarteilchen werden Musterebenen generiert. Seine Klanginstallation Myon D koppelt jedes Aufspüren von Myonen in der Funkenkammer mit dem Zirpen einer Grille.
- Michael Hoch: "The GodParticleHuntingMachine". Michael Hoch, österreichischer Physiker am CERN und Künstler, stellt das CMS-Experiment in den Mittelpunkt der Fotocollage und zeigt neben der Technologie auch die Ästhetik des Objekts.
- Chris Henschke: "Nature of the Apparatus". Ein Video des Large Hadron Colliders (LHC) wird algorithmisch manipuliert, so dass die Klänge des Beschleunigerstrahls und des Detektors den Ablauf des Films steuern.


Nebel im Kosmos

Für die Ausstellung "Wie alles begann" im Naturhistorischen Museum entwickelten die Künstlerin Eva Schlegel, Architekt Damjan Minovski, und die Weltraumarchitektin und Forscherin Barbara Imhof, eine begehbare Rauminstallation, die das sonst Unsichtbare visuell erfahrbar macht. Auf einer schwebenden Projektionsfläche werden mittels Animation Ereignisse im Weltall erlebbar gemacht. In den Weltraum zu schauen bedeutet, von unserer Gegenwart in die Vergangenheit zu blicken und dabei vielleicht Hinweise auf die Zukunft der Veränderungen im All zu erhalten. Neben diesen drei Zeitebenen, die uns gegenwärtig werden, befinden wir uns zudem in einem sich immer weiter ausdehnenden Raum, dessen extreme Dimension unsere Vorstellungsfähigkeit von Maßstäben sprengt. Daten über Bewegungen von Planeten, Monden, Asteroiden und Nebel sind nur über Bildformen erkennbar, die von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern interpretiert werden müssen. Was wir sehen, ist eine Simulation von realen Geschehnissen in der Vergangenheit. Dank an Vladimir Romanyuk und seinem Team für die Entwicklung der Space Engine, Grundlage unseres Videos "Nebel im Kosmos". en.spaceengine.org

Eva Schlegels Werk umfasst fotografische, objekthafte und installative Arbeiten, die sie experimentell unter Verwendung verschiedener Medien wie der Fotografie auf Blei, Spiegel oder Glas auch räumlich umsetzt. Sie thematisiert dabei Grenzbereiche der Wahrnehmung, stellt Sehgewohnheiten in Frage. Seit 1985 zeigt sie ihre Arbeiten in Museen und Galerien im In und Ausland, ihre Arbeiten finden sich in vielen Sammlungen, weiters hat Eva Schlegel zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum im In- und Ausland realisiert. www.evaschlegel.com

Damjan Minovski arbeitet als Architekt unter anderen mit der Architekturplattform SEMF, die sich auf Mapping und Fertigung konzentriert. Seit 2015 lehrt er an der TU in Innsbruck bei Marjan Colletti am Institut für experimentelle Architektur.

Barbara Imhof ist Weltraumarchitektin und Mitbegründerin der interdisziplinären LIQUIFER Systems Group, die im Bereich Weltraumexploration forscht und Technologien hierzu entwickelt. Die Projekte behandeln Raumschiffparameter wie der Umgang mit limitierten Ressourcen, das Design von Minimalräumen, transformierbare Habitate und architektonische Auswirkungen von sozio-psychologischen Faktoren.


Galaxies

Das Meer vor Sulawesi. Tief, still, weit - und schwarz. Manfred Wakolbinger sieht auf seinem nächtlichen Tauchgang zunächst nichts als Plankton und undurchdringliche Dunkelheit. Doch plötzlich erscheint ein leuchtendes Gebilde vor ihm, wie eine Galaxie in den unendlichen Weiten des Weltalls. Wakolbingers Faszination für den Weltraum ist seit seiner Kindheit ungebrochen - und nun entdeckt er dessen Abbild in den endlichen Tiefen der Weltmeere?! Später stellt sich heraus, dass es sich bei den leuchtenden "Galaxien" um Salpen handelt: ca. 8 cm große Chordatiere, die - einzeln, zu Kolonien oder bis zu 40 m langen Ketten zusammengeschlossen - zur Nahrungsaufnahme aus der Tiefsee nach oben steigen, um sich im Endeffekt, von Fischen angebissen, aufzulösen. Aus Fotografien von diesen Begegnungen entstanden in der Folge die Filme Galaxies 1-4. Auf Sulawesi lebt das Volk der Toraja. Ihrem Glauben nach entstammen sie dem Weltall und verbringen nur einen Abschnitt ihres Seins auf der Erde. Nach ihrem Tod werden sie zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder zurück nach Hause" geholt. Ihnen hat Manfred Wakolbinger seine "Galaxies" gewidmet.

Manfred Wakolbinger beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Skulptur, Fotografie und Film. Schwerpunkte bildeten in den letzten Jahren zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und eine Vielzahl von Skulpturen im öffentlichen Raum. Lebt und arbeitet in Niederösterreich und Wien.


Der Nullpunkt von Raum und Zeit

Ein wunderbarer Fluchteffekt mit dem Ursprung im Zentrum: den Nullpunkt von Raum und Zeit. Der "Nullpunkt von Raum und Zeit" thematisiert den Urknall als komplexe Ausdehnung von Raum und Zeit. Spiegel und Zweiwegspiegel sowie Neon, Argon und Xenon Röhren bilden in ihrem Wechselspiel eine sich öffnende virtuelle Unendlichkeit. Realer und fiktiver Raum verschränken sich und gehen ineinander über. Problematische Wirklichkeit. Kunst ist direkte Widerspiegelung der Erfahrungswelt, ist Übersetzungsleistung in andere Medien, ist Transformation gefundener Wirklichkeiten. Symbole können abstrakt oder gegenständlich erscheinen, Codes lesbar oder verschlüsselt sein. Kunst macht es einfach in der Form als Formulierung - und schwierig in der Aussage als Inhalt.

Bei Brigitte Kowanz geht es um Lichtinstallationen, die als Raumbilder operieren und um Interventionen im architektonischen Zusammenhang, in denen eine graduelle Wider-Spiegelsichtung von Bedeutung mit einer chiffrierten Codierung abstrahiert ist. Zugleich sind ihre zahlreichen Werke mit Spiegeln oder im weitesten Sinne spiegelnden Elementen eine darauf sicher mittelbare Bezogenheit, die in ihrer Unbewusstheit oder eindeutigen Reflexion des Realen den Raum als Handlungsrahmen in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt. Die innere und äußere, also unsichtbare (molekulare) und sichtbare (spiegelnde) Wirklichkeit. (Gregor Jansen, Klarheit ganz bei sich, 2011)

Brigitte Kowanz ist eine österreichische Künstlerin und seit 1997 Professorin für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Zentrum ihrer Arbeit steht seit den 1980er Jahren

die Untersuchung von Raum und Licht. Brigitte Kowanz wird bei der Kunstbiennale 2017 in Venedig gemeinsam mit Erwin Wurm den Österreichischen Pavillon bespielen.


Susys Fingerprint

Ein lentikulares Objekt von Hofstetter Kurt.

Hofstetter Kurt's einfache Regel seiner Methode der Induktiven Rotation besagt, dass um den östlichsten Punkt einer Figur drei Kopien dieser Figur sukzessive um 90, 180 und 270 Grad gedreht und jeweils nach hinten positioniert werden. Die sich daraus ergebende Figur wird zur Ausgangsfigur der nächst folgenden Anwendung dieser Regel usw. Durch die wiederholte Anwendung dieser Regel auf die quadratische Ausgangsfigur von vier Elementarteilchen werden automatisch zwei aperiodische und asymmetrische Musterebenen von Elementarteilchen generiert, die sich exakt überlagern und einander bedingen. Sie stehen in supersymmetrischer Beziehung, da hinter jedem sichtbaren Elementarteilchen der Vordergrundebene genau sein unsichtbares supersymmetrisches Partnerteilchen liegt. SUSYs FINGERPRINT gewährt visuellen Zugang zu beiden Musterebenen - von links zur asymmetrischen Vordergrundebene, von rechts zur asymmetrischen Hintergrundebene. Bei frontaler Betrachtung ist die transparente Überlagerung beider Ebenen vollkommen symmetrisch wahrnehmbar.

Hofstetter Kurt ist Künstler und Komponist und lebt und arbeitet in Wien. Künstlerische Schwerpunkte: Konzepte, Computer-, Licht- und Internet-Arbeiten, Medienkunstinstallationen im öffentlichen Raum, akusmatische Musik- und Klangarbeiten.


The GodParticleHuntingMachine

Das CMS-Experiment steht im Mittelpunkt der Fotocollagen der Serie "The GodParticleHuntingMachine" des österreichischen Physikers und Künstlers Michael Hoch. Er zeigt den CMS-Detektor, nicht nur als Wunderwerk moderner Ingenieurskunst und Technologie, sondern auch als ungemein spektakuläres ästhetisches Objekt. In seinen Collagen verschmilzt die Maschine mit unterschiedlichen Blüten, die als Sinnbilder der Natur verstanden werden können. Michael Hoch präsentiert in seinen Arbeiten die Eindrücke und Perspektiven eines Künstlers, der als Wissenschaftler an diesem Wissenschaftsapparatus beteiligt und von der gigantischen Wissenschaftsarchitektur fasziniert war.

Michael Hoch österreichischer Physiker am CERN, Fotograf, Künstler und Gründer des art@CMS Projektes (https://artcms.web.cern.ch/), der es sich zum Ziel gesetzt hat, einen aktiven Dialog zwischen der Wissenschaftsgemeinschaft, Künstlern, Kunstinstitutionen, Schulen und einem allgemeinen Publikum zu generieren. Er verarbeitet seine Fotografien in Form von Kollagen und ermöglicht dem Publikum eine wundersame Betrachtung moderner Wissenschaft und Technologie.


Nature of the Apparatus

Das LHC-Video wurde algorithmisch manipuliert, sodass die Klänge des Beschleunigerstrahls und des Detektors den Ablauf des Films steuern. Das Projekt zeigt nicht nur die ungeheuren Größenskalen und Energien im LHC auf, sondern bemüht sich auch, den Zusammenhang zwischen Apparat und physikalischen Erscheinungen zum Ausdruck zu bringen. Inspiriert von Niels Bohrs Einsichten in die Teilchenphysik faltet das Kunstwerk im Wesentlichen die Energie in das Gerät zurück, von dem sie produziert wird.

Der in Melbourne lebende Künstler Chris Henschke beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit digitalen Medien. Chris Henschke bewegt sich an den Schnittstellen von wissenschaftlicher Interdisziplinarität und Kunst. Schwerpunkte seines Schaffens bilden die experimentelle Verbindung von Ton und Bild sowie von Raum und Zeit. Seine Arbeiten werden seit Anfang 2000 in zahlreichen Ausstellungen und Installationen sowohl in Australien als auch international präsentiert.